Wie ich bereits in meinem Grundlagenkurs ETF dargestellt habe, versuchen die ETFs einen bestimmten Index exakt und so kostengünstig wie möglich nachzubilden. Mittlerweile gibt es verschiedene Methoden, wie der jeweils zugrunde liegende Index eines ETFs repliziert bzw. nachgebildet werden kann. Diese sogenannten Replikationsmethoden möchte ich Dir in diesem Blogbeitrag vorstellen.

Die physische „volle“ Replikationsmethode

Vom Grundprinzip ist das Ziel jedes ETFs, den abzubildenden Index so exakt und so kostengünstig wie möglich nachzubilden. Ein ETF investiert eins zu eins in die Wertpapiere des Indexes, woraus schließlich alle Einnahmen in Form von Dividenden und Zinszahlungen resultieren und an den Anleger zurückfließen. Diese beschriebene Methode wird als die klassische Variante der vollständigen physischen Replikation bezeichnet.

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    Beschreibung

    Der Index wird 1:1 im ETF nachgebildet mit Fokussierung auf liquiden Wertpapieren

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    Basiswerte

    Aktien, Anleihen

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    Anzahl der Indexbestandteile

    Niedrig

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    Beispielindizes

    DAX, Eurostoxx 50, FTSE 100, Dow Jones 30

Die physische „sampling“ Replikationsmethode

Dadurch, dass die vollständige Replikation bei sehr breiten, illiquiden oder internationalen Indizes nicht immer anwendbar ist, sind computergestützte Optimierungsverfahren notwendig, um diese ETFs mit weit aus weniger Titeln nachzubilden. Dieses Verfahren wird auch als Sampling bezeichnet. Von illiquiden Indizes spricht man in diesem Zusammenhang von einem außerbörslichem Handel von Unternehmen oder Anleihen mit einem niedrigem Emissionsvolumina (begrenze Zahl an Anleihen / Aktien).

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    Beschreibung

    Der ETF hält eine Auswahl an Indextiteln mit Fokussierung auf illiquiden Wertpapieren

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    Basiswerte

    Aktien, Anleihen

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    Anzahl der Indexbestandteile

    Hoch

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    Beispielindizes

    MSCI World, MSCI Emerging Markets

Die synthetische Replikationsmethode

Eine weitere Variante die zur Investition in neue Märkte und Anlageklassen verwendet wird ist die synthetische Replikation. Durch diese Methode wurden Anlageklassen wie wie Rohstoffe und Geldmarkt, über Swap-ETFs erst investierbar gemacht. Die Gründe für die Anwendung dieser Replikation sind einerseits steuerliche Überlegungen und die Güte der Nachbildung.

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    Beschreibung

    Die Indexnachbildung erfolgt über ein Tauschgeschäft (Swap) mit Fokussierung auf liquide und illiquide Wertpapiere, Anlagerestriktionen (Handelsbeschränkungen, Besteuerung) und verschiedenen Zeitzonen

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    Basiswerte

    Aktien, Anleihen, Rohstoffindizes, Geldmarktindizes (EONIA etc.), Short und Leverage Indizes

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    Anzahl der Indexbestandteile

    Niedrig bis hoch

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    Beispielindizes

    MSCI World, MSCI Emerging Markets, Eurostoxx 50 Rohstoffindizes, Short Dax, Leverage Dax

Was sind die Risiken der Replikationsmethoden?

  • Die Risiken der physischen Replikationsmethode

    Eine Besonderheit dieser Replikationsmethode ist, dass die ETFs als Sondervermögen gelten und somit keinem&nbsp;Emittentenrisiko unterliegen. In diesem Fall verlierst du als Anleger nicht Dein Vermögen, wenn der&nbsp;ETF-Herausgeber&nbsp;insolvent wird.</p>
    <p>Wichtig ist jedoch, dass ein&nbsp;Kontrahentenrisiko entstehen kann, sobald ein&nbsp;ETF-Emittent die im ETF enthaltenen Wertpapiere an andere Finanzpartner verleiht, um somit zusätzliche Erträge zu erwirtschaften. Das Risiko für Dich als Anleger ist sehr niedrig.</p>
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  • Die Risiken der synthetischen Replikationsmethode

    Wie auch bei der physischen Replikation gehören die&nbsp;synthetisch replizierenden ETFs zum Sondervermögen und unterliegen ebenfalls nicht einem Emittentenrisiko.</p>
    <p>Das Risiko für Dich als Anleger ist sehr niedrig, da&nbsp;gesetzlich mindestens 90% vom Wert eines ETFs mit Sicherheiten beim Swap-Partner&nbsp;hinterlegt sein müssen. Sicherheiten können in diesem Fall auch andere Wertpapiere darstellen. Das verbleibende Verlustrisiko minimiert sich somit auf 10%.</p>
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Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass beide Replikationsmethoden ihre Vor- und Nachteile haben. Ein Großteil der Anlager bevorzugt die physischen ETFs, die jedoch im Regelfall eine höhere TER (Gesamtkostenquote) aufweisen als vergleichbare, synthetische Fonds.